Osthessennews und der böse Onkel

Osthessennews hat heute mit dem Beitrag „Der böse Onkel wartet im Cyberspace“ – Pädophile suchen im Jugend-Chat den Vogel abgeschossen. Es reitet auf der von Zensursula ausgelösten Kinderpornographie-Hysterie Welle und vermischt Berichterstattung und Werbung. Denn von den eigenen Grundsätzen weicht Osthessen-News gleich zweimal in dem kurzen Artikel ab: Zum einen wird die URL der Firma direkt verlinkt und zum anderen gibt es absolut keinen Bezug zu Fulda. Doch als Belohnung verlinkt der verlinkte zurück zu den Medien. So funktionieren Online-Kampagnen heutzutage.

Wie bei einem Überraschungs-Ei kommt Osthessennews in den Genuss von drei Dingen:

1. Einen von „Sicher-Stark-Team“ vorformulierten Pressetext (der Original-Text findet sich hier)

2. Gutes Image bei der breiten Bevölkerung

3. Eine höheren Platz im Google-Ranking

Für das Sicher-Stark-Team stellt die Aktion eine Sozialmarketing-Kampagne dar.  Hier gibt es einen Wikipedia-Artikel mit mehr Infos dazu.

Von der Medienkampagne profitieren also Anbieter (Sicher-Stark-Team) und Medien (z.B. OHN)  gleichermaßen. Da kann man dann schon mal darüber hinwegsehen, dass anders als es der OHN-Artikel suggeriert, das Thema allenfalls  ein Randthema beim Sicher-Stark-Team ist und der im Artikel erwähnte Kurs überhaupt nicht auf der Homepage zu finden ist.

Stichwort: non-profit Organisation: Ich vermute ja, dass der Weg eine non-Profit Organisation nur aus der (finanziellen) Not heraus geboren wurde. Es klingt einfach gut und suggeriert, dass es nicht um Geld geht. Tut es aber. Auf der Homepage wimmelt es nur so von Phrasen, wie z.B. „Ihre Investition“ (in die Hör-CD), „Geld-zurück-Garantie bei Nichtgefallen“ usw.

Tatsächlich wird nur eine Hörprobe des o.g. Sicher-Stark-Hörbuches angeboten. Ginge es wirklich darum, den Eltern zu helfen, so würde das Hörbuch komplett zum Download bereit gestellt werden.

Besonders abstoßend auf der Webseite sind die eingescannten schriftlichen Lobeshymnen der Kinder (im Schnitt 9-10 Jahre alt), die an einer Schulung teilgenommen haben. Alle klangen sehr ähnlich – fast immer war von Selbstbewusstsein die Rede, nur ein Kind hat verstanden, um welchen „Erfolg“ es wirklich geht, es schrieb: „… Ich hoffe, dass das Sicher-Stark Team noch viele erfolgreiche Kurse haben wird„.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich finde es sehr wichtig, dass Kinder vor den Gefahren des Internets gewarnt werden. Das sollte aber in der Schule geschehen, damit nicht nur die Kinder betuchter Eltern etwas davon haben.

Auch könnte dann auf die künstliche Panik an der sich Osthessennews hier beteiligt hat, verzichtet werden, denn es ginge plötzlich nicht mehr um Verkaufsquoten von CDs.